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Uni Osnabrück startet Umfrage: Wie kam die niedersächsische Gastronomie durch die Pandemie?

Osnabrücks Schmuckstücke fotografiert von David Ebener - hier der Marktplatz mit dem historischen Rathaus, St. Marien, den Giebelhäusern und Gastronomie Welche Auswirkungen hatte und hat die Pandemie auf die niedersächsische Gastronomie? Auf diese Frage sucht die Uni Osnabrück Antworten. Foto: Uni Osnabrück, David Ebener

Osnabrück. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke sowie ihrer Bedeutung für die Attraktivität von Vierteln und Städten haben Gastronomiebetriebe für die Stadtentwicklung eine hohe Bedeutung. Welche Auswirkungen dabei die vorübergehenden Schließungen während der Pandemie hatten, untersuchen Geographen der Uni Osnabrück in dem Projekt „Organisationale Resilienz in der COVID-19-Pandemie: Krisenbewältigung und strategische Anpassung von Gastronomiebetrieben in niedersächsischen Städten“. Im Rahmen des Programms „Pro*Niedersachsen. Forschungsprojekte der Kultur-, Geistes und Sozialwissenschaften“ wird die Studie mit mehr als 200.000 Euro gefördert.

„Die vorübergehende Schließung von Gastronomiebetrieben und die Einführung von Social-Distancing als Strategie zur Eindämmung der Pandemie hat eine Krise des Gewerbes ausgelöst, die die betroffenen Betriebe gegenwärtig und mittel- bis langfristig vor zahlreiche Herausforderungen stellt“, erklärt Prof. Dr. Martin Franz, der gemeinsam mit Dr. Thomas Neise und Dr. Philip Verfürth (alle von der Universität Osnabrück) die Studie durchführen wird.

Niedersachsen eignet sich als Beispielregion besonders, weil die Gastronomie einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellt. 2019 verzeichnete das Landesamt für Statistik 18.527 Gastronomiebetriebe in Niedersachsen, die einen Umsatz von rund 5 Milliarden Euro erwirtschafteten. Innerhalb dieser Betriebe befanden sich 110.371 Personen in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen. Die Bedeutung der Gastronomie für Niedersachsen geht aber über diese Faktoren hinaus, da diese Gewerbe ein wichtiger Faktor sowohl für die touristische Anziehungskraft als auch für die Attraktivität als Wohn- und Arbeitsstandort ist. Mit Einsetzen der Pandemie 2020 erlitten die niedersächsischen Betriebe des Gastgewerbes starke Umsatzeinbußen.

Im theoretischen Mittelpunkt der Studie steht der Resilienz-Begriff, also die Fähigkeit, sich auf Krisen einzustellen und diese damit zu überstehen. Zur Analyse der Reaktionen von Unternehmen auf Krisensituationen wird häufig das Konzept der organisationalen Resilienz genutzt. Bei der Analyse dieser Resilienz von Unternehmen werden insbesondere unternehmensinterne Faktoren berücksichtigt. Unternehmensexterne Faktoren, wie politische und regionalökonomische Rahmenbedingungen sowie soziale Netzwerke, werden hingegen weniger betrachtet. Doch erst die Berücksichtigung solcher Faktoren ermöglicht die Ableitung kontextspezifischer Handlungsempfehlungen für Betriebe, unterstützende Verbände sowie für Kommunen.

Ziel des Projektes ist es somit, Erkenntnisse zum Einfluss von unternehmensinternen und -externen Faktoren auf Bewältigungsmaßnahmen und strategische Anpassungsstrategien von Gastronomiebetrieben in Krisensituationen zu erhalten. Darüber hinaus sollen Handlungsempfehlungen für Gastronomiebetriebe sowie die sie unterstützenden Verbände und staatlichen Institutionen (Politik, Institutionen der Wirtschaftsförderungen und des Stadtmarketings) entwickelt werden.

Dabei können die Wissenschaftler auf bereits laufende Vorarbeiten zurückgreifen. „In der ersten Covid-19-Welle überlegten wir, dass wir eigentlich sofort eine Befragung von Gastronomiebetrieben durchführen sollten, um zu erfahren, welche Auswirkungen haben würde“, so Prof. Franz. „Damals ahnten wir noch nicht, wie lange die Pandemie dauern würde.“ Die deutschlandweit durchgeführte Onlinebefragung war erfolgreich: 623 Unternehmen beteiligten sich. „Die Ergebnisse waren für uns zum Teil überraschend, insbesondere weil sich zeigte, dass die Gastronominnen und Gastronomen auf dem Land ihre Situation positiver beurteilten als in der Stadt. Verschiedene Abschlussarbeiten und ein Seminar, in dem Studierende Befragungen durchführten, ergänzten die Ergebnisse mit kleineren Fallstudien. „Es entstand die Idee, die Auswirkungen der Pandemie und die Strategien der Betriebe mit zeitlichem Abstand genauer zu untersuchen“, erklärt Dr. Neise.

Methodisch kommen eine Unternehmensbefragung, qualitative Interviews und drei Expertenworkshops zum Einsatz. Dabei setzen die Forscher auf gute Kontakte zu verschiedenen Wirtschaftsförderungsinstitutionen sowie dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Niedersachsen (DEHOGA Niedersachsen). Bereits bei der 2020 durchgeführten Befragung wurden die Wissenschaftler von verschiedenen lokalen und regionalen Wirtschaftsförderungsinstitutionen sowie der DEHOGA unterstützt. „Insgesamt erschließt das Projekt mit seinem spezifischen Fokus ein hochaktuelles und gesellschaftlich relevantes Forschungsfeld im Bereich der Wirtschaftsgeographie“, so Dr. Verfürth. Das Projekt wird nicht nur einen wichtigen und innovativen Beitrag zu wissenschaftlichen Debatten leisten, sondern auch zu einem besseren Verständnis aktueller wirtschaftlicher Entwicklungen beitragen, die von großem politischen und öffentlichen Interesse sind. Damit ergeben sich als Zielgruppen des Projektes die allgemeine Öffentlichkeit, die Fachöffentlichkeit sowie Praktikerinnen aus Gastronomie, Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Wirtschaftsverbänden.

Das Programm PRO*Niedersachsen umfasst drei Förderlinien, in deren Mittelpunkt hochrangige Forschungsvorhaben stehen, die neue Impulse für ihre jeweilige Fachrichtung setzen. In der Linie „Forschungsprojekte der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“ werden vom Land Projekte gefördert, die Fragestellungen von überregionalem wissenschaftlichem Interesse entwickeln.

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PM/Universität Osnabrück

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